Die unbekannte Welt



Die unbekannte Welt


Frag nicht, was du geleistet hast.

Frag, wann reine Freude aus den Dingen fiel wie süße Kerne aus der reifen Frucht.

Und wer die Menschen waren,

die sie mit dir teilten.

Wann unter deiner Hand die Zeit verflog, weil du in etwas aufgingst, das größer ist als du.

Und wann die Nächte

ihre goldenen Kammern öffneten,

um einen neuen Traum auf deine Stirn zu legen wie eine Zukunft, die dich aus der Ferne ruft.


Frag nicht, was du verloren hast.

Frag, welche Sehnsucht dich heraufbeschwor, in dieser Welt zu sein.

Und wer du warst nach jedem Lassen,

gereift an Traurigkeit.

Wann du dir näher kamst durch tiefes Schweigen und durch den Mut, nicht wegzulaufen, auch nicht vor dir.

Wann deine Fragen offen standen

wie Türen zu geheimen Welten.

Und wann du freier wurdest,

nicht nur von Engen, die dich hinderten, du selbst zu werden, auch frei zur Weite der Begegnung, die Mitte allen Lebens ist.


Frag nicht, was du gewonnen hast.

Frag, was du schenken kannst,

auch morgen wieder,

in die offene Hand der Liebe,

auf eine unverheilte Wunde

und in das Schweigen ohne Trost.

Lass dich gewinnen, lass dich einnehmen

von der kummerlosen Schönheit des Morgens, von jedem Tag, der dich in seine Mitte sehnt, und von den Wundern, die in deine Blicke fallen, wenn du erst siehst.


Wage es,

die unbekannte Welt zu lieben,

die vor dir liegt.


(aus: Giannina Wedde "In winterweißer Stille - Ein Begleiter durch die dunkle Jahreszeit"



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